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Positionspapier der Bürgerinitiative Bonn bleibt seilbahnfrei!
Positionspapier Bonn bleibt seilbahnfrei
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Die Seilbahn löst kein Verkehrsproblem!

Stau zu rush hour Zeiten ist keine Seltenheit auf den Bonner Straßen, nicht nur auf der Robert-Koch-Straße.

 

1.000 bis 2.000 eingesparte Autofahrten am Tag auf den Venusberg von insgesamt 17.000 Autofahrten lösen kein Verkehrsproblem und rechtfertigen auch kein Millionenprojekt "Seilbahn"! Die im Rahmen der Machbarkeitsstudie vorgestellten Zahlen haben gezeigt, dass in Bonn maximal der Bedarf für eine "kleine" Variante vorhanden ist. Dabei ist noch zu beachten, dass noch kein einziger potentieller Nutzer befragt worden ist. Nur durch eine solche repräsentative Befragung könnte man ermitteln, wie viele wechselwillige Autofahrer komplett auf den ÖPNV umsteigen.

 

Außerdem geht es von der Venusberg-Seilbahnstation nicht weiter. Sollen die Fahrgäste bei Wind und Wetter bis ans anderer Ende der Klinik zu Fuß gehen oder auf einen Buss warten?

 

Der Autoverkehr würde im Falle eines Haltepunktes am Hindenburgplatz eher in die Stadtteile Kessenich bzw. Dottendorf verlagert und dort ein Verkehrs- und Parkproblem auslösen.

 

 

Der Bau und Betrieb einer Seilbahn sind nicht wirtschaftlich!

Auch wenn das Land NRW einen Zuschuss in Höhe von bis zu 90 Prozent gewährt, muss die Stadt Bonn zusätzlich zu ihrem Anteil von 10 Prozent auch die Kosten tragen, die nicht unter die Bemessungsgrundlage fallen und die höchstwahrscheinlich steigenden Baukosten (Beispiele gibt es genug). Daneben ist nicht sicher, ob die jährlich laufenden Betriebskosten durch Mehreinnahmen des ÖPNV ohne Tariferhöhung gedeckt werden können. Mit Blick auf die allgemeine Haushaltssituation der Stadt Bonn kann dies nur zulasten von anderen Etats gehen.

 

 

Seilbahn leistet keinen nachhaltigen Beitrag zum lokalen Klimaschutz!

Eine urbane Seilbahn ist nicht wie von den Befürwortern behauptet, generell ein umweltfreundliches Verkehrsmittel.   

 

Von der Firma raumkom (Institut für Raumentwicklung und Kommunikation) wurde für die Beispielseilbahn ein Kohlendioxidausstoß von 23 g CO2 pro Personenkilometer angegeben. Ein seriöses Nachrechnen liefert 40 g CO2 pro Personenkilometer und damit wäre die Beispielseilbahn mit Bus und Tram vergleichbar. Viel gravierender ist aber, dass für den gegenwärtigen deutschen Energiemix 540 g CO2/kWh (Wert des Bundesumweltministeriums für 2016) anzusetzen sind. Damit ergibt sich für die Beispielseilbahn ein Wert von 64 g CO2 pro Personenkilometer, damit wäre diese Seilbahn deutlich schlechter als alle anderen im Beispiel genannten Verkehrsmittel.

 

Es ist sogar noch schlimmer: Auch dieser Wert kann nicht als Beispiel dienen, denn wenn eine Seilbahn, wie für Bonn vorgeschlagen, ans ÖPNV Netz angeschlossen wird, ergeben sich mit den in der derzeitigen Fassung der Machbarkeitsstudie angegebenen Werten weniger als 6 Prozent Auslastung über den Tag verteilt (das von der Firma raumkom genannte Beispiel ist mit fantastischen 20% Auslastung angesetzt), und dann wäre der CO2-Wert noch einmal um einen Faktor 3,33 höher, also ca. 211 g CO2 pro Personenkilometer. Damit wäre die ÖPNV-Seilbahn bezüglich CO2-Emission das schlechteste aller Verkehrsmittel, schlechter als der individuell gefahrene PKW mit ca. 178 g CO2 pro Personenkilometer.

 

Eine ÖPNV Seilbahn muss als Stetigförderer von ca. 5:30 – 23:30, also etwa 18 Stunden, täglich laufen, egal ob jemand mitfährt oder nicht. Und sie hat die ganze Zeit über fast die gleiche elektrische Leistung, weitgehend unabhängig von der Last. Das Seil muss ja gegen innere und äußere Reibung bewegt werden.

 

Außerdem soll die Seilbahn durch das Landschaftsschutzgebiet Venusberghang und über Biotope fahren, 18 Stunden am Tag!

 

 

Mögliche Alternativen wurden nicht hinreichend geprüft!

 

Auslöser für die Idee einer Seilbahn sind die Probleme auf der Zufahrt zum Venusberg in Stoßzeiten und das Parkplatzproblem durch den dortigen Klinikbetrieb. Die Stadt Bonn lässt mit der Machbarkeitsstudie aber nur eine Lösungsvariante untersuchen, statt systematisch nach der besten Lösung zu suchen.

 

Durch den Bau der Seilbahn wird die bisherige ÖPNV-Anbindung des Venusbergs durch Busse auch noch in Frage gestellt, da zur Finanzierung die Reduzierung von Buslinien zur Diskussion steht. Alternativen, wie eine bessere Bus-Anbindung, Ausbau der Radwege, Einsatz kleiner E-Busse auf anderen Zufahrtswegen werden nicht geprüft. Die Einbindung einer urbanen Seilbahn in den ÖPNV ist zudem nicht unproblematisch, da das Verkehrsmittel Seilbahn relativ unflexibel auf Auslastungsspitzen reagiert. Eine Warteschlange nimmt man im Urlaub in Kauf, aber nur ungern auf dem täglichen Weg zur Arbeit.

 

  1. Die Möglichkeiten der Seilbahn zu einer Lösung der Verkehrsprobleme beizutragen müssen kritisch hinterfragt werden und eine kreative Suche nach Alternativen ist unverzichtbar (s. auch Bürgerantrag vom  21. Juli 2017).

 

 

 

Gewinninteressen Einzelner werden verfolgt!

Mit Blick auf weitere, aktuelle Seilbahninitiativen wie beispielsweise in Wuppertal, Siegen, Trier, Heilbronn sowie Hamburg gewinnt man den Eindruck, dass eine Seilbahnlobby auf Werbetour ist. Möglicherweise spielt dabei keine Rolle, ob der jeweilige Standort nachhaltig ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist.
Kritisch muss man insbesondere dann werden, wenn einer der größten Seilbahnhersteller selbst darauf hinweist, dass alle lukrativen Standorte, insbesondere in Ski- und Wandergebieten, bereits voll erschlossen sind und nach neuen Projekten gesucht werden muss (s. auch http://www.zeit.de/2014/35/hamburger-seilbahn-elbe-doppelmayr/seite-3).

Geht es hier letztendlich doch nur um die Gewinninteressen Einzelner? Wer haftet, wenn "schöne" Planzahlen doch nicht erreicht werden?

 

 

Massive Eingriffe in Grundrechte werden vorgenommen!

Hier seien zunächst die Stichworte "Störung der Privatsphäre", "Einfluss auf die Wohnqualität sowie den Anwohner-Parkraum", "Schattenwurf" und "Wahrscheinlicher Wegfall des Spielplatzes am Hindenburgplatz inklusive der Wiese zum Ballspielen" erwähnt.

 

So könnte es aussehen ...