Schlampereien in Machbarkeitsstudie führen zu falschen Ergebnissen!

Wir haben die Schlampereien und Fehler in der Machbarkeitsstudie zum Anlass genommen, um alle an den Seilbahnplanungen beteiligten, so

  • den Oberbürgermeister der Stadt Bonn
  • das Verkehrsministerium in Düsseldorf
  • den Landesrechnungshof
  • das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
  • den Bundesrechnungshof
  • den Zweckverband Nahverkehr
  • die Bezirksregierung Köln
  • alle Fraktionen des Rates der Stadt Bonn

auf diese Mängel und Fehler in der Machbarkeitsstudie, die in die Nutzen-Kosten-Analyse eingehen, hinzuweisen.

Hier unser Schreiben sowie unten alle Anhänge zum Download

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Sridharan,

 

wir vertreten anwaltlich die Bürgerinitiative „Bonn bleibt seilbahnfrei“. Eine auf uns lautende Vollmacht des Vorsitzenden der Bürgerinitiative ist beigefügt.

 

 

 

Die Stadt Bonn plant schon seit geraumer Zeit, eine Seilbahn vom Universitätsklinikum Venusberg über Dottendorf, Gronau und über den Rhein bis Ramersdorf, ggf. mit möglichen Erweiterungen, zu errichten. Dazu wurde bereits eine Machbarkeitsstudie erstellt und eine Kosten-Nutzen-Analyse in Auftrag gegeben. Die Bürgerinitiative hat sich zu diesem Projekt bereits vielfältig geäußert und Argumente und Bedenken auf der Website www.bonn-bleibt-seilbahnfrei.de publiziert, so dass darauf generell verwiesen werden kann und eine vollständige Wiederholung hier unterbleiben kann.

 

Da für diese Seilbahn öffentliche Fördergelder (entweder beim Verkehrsministerium des Landes NRW oder beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ) in Anspruch genommen werden sollen und das Projekt ein Volumen von mehr als 25 Millionen Euro überschreitet, ist die Durchführung einer standardisierten Bewertung zwingend vorgeschrieben.

 

Da die Machbarkeitsstudie gravierende Fehler enthält, die von der Bürgerinitiative bereits in öffentlichen Veranstaltungen den Gutachtern und der Stadt Bonn offengelegt wurden, aber dort nicht zu einer Korrektur der Machbarkeitsstudie geführt haben, die Machbarkeitsstudie gleichzeitig weitere für die standardisierte Bewertung relevante Sachverhalte völlig außer Acht lässt, möchten wir hier einige besonders wichtige Aspekte herausstellen und die Projektbeteiligten anhalten, der Realität ins Auge zu sehen und weitere Irreführungen der Öffentlichkeit zu vermeiden. Insbesondere die offensichtlichen Fehler der Machbarkeitsstudie müssen zu einer Korrektur/Revision führen und erst danach darf die Nutzen-Kosten-Analyse durchgeführt werden, da sie andernfalls zu falschen Ergebnissen kommt.

 

Unser Schreiben behandelt drei grundsätzliche Aspekte, die jeweils unterlassen oder falsch aufgeführt waren, für die Nutzen-Kosten-Untersuchung und die Abbildung der Realität in der Analyse aber entscheidend sind:

 

 

 

1.      Hangrutschungen am Osthang des Venusbergs

 

2.      Wind- und Gewitterbedingte Ausfälle im Seilbahnbetrieb

 

3.      Wesentlich zu niedrig angesetzte Betriebskosten

 

 

 

Diese Positionen werden auf den folgenden Seiten im Detail dargestellt.

 

 

 

1.    Hangrutschungen

 

Bekanntlich wird die Seilbahn als 1S-Seilbahn ausgeführt, d.h. sie hat ein Zugseil, das gleichzeitig als Tragseil dient. Dadurch sind Seilbahnstützen in kurzen Abständen, alle 200 m bis 400 m, notwendig. Derzeit sieht die Planung zwischen Venusberg und Ramersdorf 5 Bahnhöfe und 24 Stützen mit bis zu 47 m Höhe vor.

 

Wie unten ausgeführt wird, ist der Osthang des Venusberges stark rutschgefährdet.
Allein zwischen dem in der Luft liegenden Bahnhof am Hindenburgplatz und dem Bahnhof auf dem Universitätsklinikum lägen im Landschaftsschutzgebiet Venusberg-Osthang mehrere Stützen mit 15 bis 45 m Höhe. Diese Stützen erfordern eine tiefe Fundamentierung im rutschgefährdeten Osthang. Außerdem ist davon auszugehen, dass für den Bau und eine erforderliche Rettungstrasse eine Schneise von mindestens 15 m Breite den gesamten Hang hoch freigeschlagen wird, wodurch die Stabilisierung der oberen Schichten durch die Wurzeln der Bäume wegfiele.

 

Gleichzeitig ist durch enorme Bautätigkeit im Klinikbereich auf dem Venusberg bereits jetzt ein massiver Eingriff in den Grundwasserhaushalt vorgenommen worden. Setzungserscheinungen auf dem Gelände des UKB seien bereits zu beobachten, so die Aussage von Fachleuten.

 

Wir halten aufgrund der uns vorliegenden Literatur, u.A.

 

Erläuterungen zur Ingenieurgeologischen Karte 1:25.000   5208 Bonn
des Geologischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen                                                               (1)

 

und aufgrund der folgenden Veröffentlichungen:

 

Grunert, J & Hardenbicker, U. (1996):
Tiefenzersatz der devonischen Gesteine und seine Bedeutung für die Hangrutschungen am Beispiel des Venusberges in Bonn. in FELIX-HENNINGSEN P. (Hrsg.) Böden als Zeugen der Landschaftsentwicklung (Festschrift zum 80. Geb. von Prof. Dr. H. F. Stremme), LA für Natur und Umwelt, Kiel, S. 101-110
- im Anhang beigefügt -                                                                                                                          (2)

 

Ulrike Hardenbidker 1994: Hangrutschungen im Bonner Raum; Naturräumliche Einordnung und ihre anthropogenen Ursachen.  Dissertation; dort S. 18-21; S. 56-59
Arbeiten zur Rheinischen Landeskunde, Heft 64, Dümmler-Verlag Bonn                           (3)

 

Schmanke, V. 1994:  Methodischer Ansatz zur digitalen Erfassung und Auswertung hangrutschbezogener Daten unter Zuhilfenahme von Geo-Informationssystemen mit dem Ziel der Erstellung einer Hangstabilitätskarte für den Bonner Raum im Maßstab 1:25.000                                                                                                                                                       (4)

 

sowie 12 weiterer Arbeiten / Veröffentlichungen zu diesem Thema (siehe Anhang) die Gefahr von Hangrutschungen für gegeben.

 

Solche Hangrutschungen am Venusberg sind bereits seit Anfang des vorigen Jahrhunderts dokumentiert. Zum Teil dauern sie als Kriechungen bis in die Jetztzeit aktiv an- siehe die Bilder im Anhang - und stellen somit eine besondere Gefahr für die Stabilität von Bauwerken dar, was in der Machbarkeitsstudie nicht thematisiert wird.

 

In Anbetracht der Tatsache, dass der Venusberg geologisch instabil ist und teilweise erst in einer Tiefe von 100 m Gründungsverhältnisse vorgefunden werden, die die erforderliche Standsicherheit für die im Venusberg-Osthang erforderlichen Stützen gewährleisten können, ist hier mit kaum abschätzbaren Gründungskosten, Risiken beim Bau sowie Gefährdung von Leib und Leben der Anwohner zu rechnen, die bisher nirgendwo berücksichtigt wurden. Bereits damit wird das geplante Seilbahn-Projekt vollends unwirtschaftlich.

 

Das Geologische Landesamt Nordrhein-Westfalen hat hierzu 1998 Erläuterungen veröffentlicht, die bisher völlig unberücksichtigt blieben, obwohl der Gutachter Dr. Baum in der Machbarkeitsstudie die ingenieurgeologische Karte zu Rate gezogen haben will (s. Machbarkeitsstudie S. 9, 1. Absatz).

 

In der Ingenieurgeologischen Karte 1:25 000 für 5208 Bonn Erläuterungen  heißt es auf
S. 19 unter dem Thema Rutschungen:
In Abhängigkeit von der mineralogischen Zusammensetzung der präquartären Gesteine, der Hangneigung und der Mächtigkeit der quartären Schichten sind in der südlichen Hälfte des Blattgebietes mehrere Flächen als rutschungsgefährdet einzustufen. Zu ihnen gehören … der Osthang des Venusberges …“

 

Für die Veröffentlichung (2) von Prof. Jörg Grunert, Uni Bonn und Dr. Ulrike Hardenbicker (University of Regina, Canada, Department Head; Associate Professor, Environmental Studies Program Coordinator PhD, Bonn) wurde speziell der Osthang des Venusbergs untersucht. Dort heißt es:

 

„Die Vorstellung eines extrem tiefen Zersatzes des devonischen Grundgebirges wurde durch Bohrungen bestätigt, die entlang der geplanten Autobahntrasse unter dem Venusberg- und Kottenforst-Plateau Ende der achtziger Jahre vom Rheinischen Straßenbauamt niedergebracht wurden (ARBEITSGEMEINSCHAFT BAUGEOLOGIE VENUSBERTGUNNEL 1978). Die Bohrprofile dieses sog. Tunnelgutachtens zeigen eindrucksvolle Mächtigkeiten des verwitterten Gesteins von teilweise weit über 100 m und erlauben die Rekonstruktion einer stark reliefierten Oberfläche des liegenden, unverwitterten Anstehenden …Die Skizze, die im übrigen auch die Geringmächtigkeit der quartären Ablagerungen im Vergleich mit der devonischen Verwitterungszone verdeutlicht, zeigt anschaulich deren Aufbau aus Tonen, schluffig-sandigen Tonen und Feinsanden in unregelmäßiger Wechsellagerung.          
Von besonderem geomorphologischen Interesse ist eine große, vermutlich erst 200 Jahre alte Rutschung am Kahlenberg …      Die oberste, , etwa 100 m lange und sehr kompakte Scholle rotierte beim Abgehen gegen den Hang. Sie besteht aus ca. 10 m mächtigen Hauptterrassenkiesen und -sanden über liegendem, zähplastischen Verwitterungston des Devon. 
Eine verblüffende Ähnlichkeit in Größe, Hangposition und Grundriß besitzt die Rutschung an der Bergstraße, die südlich von Kessenich auf den Venusberg hinaufführt.
(Anmerkung: sie führt genau vom Hindenburgplatz aus in Richtung Westen den Hang hinauf)“. Weiter: „Es handelt sich vermutlich ebenfalls um eine Rotationsrutschung mit einer im Grundriß gerade verlaufenden Abrißnische, die hangabwärts recht bald in kleine, eng gestaffelte Schollen übergeht, die einen graublauen, zähplastischen Verwitterungston des Devongesteins um mehrere Meter überlagern.          Die Rutschung stammt vermutlich aus dem Jahr 1926 …“ 
„Bei den übrigen kleineren Rutschungen
(Anmerkung: zwischen Kalenberg und Bergstraßenrutschung gelegen) hat es dagegen den Anschein, als ob gerade der nur mäßig verwitterte, allerdings stark geklüftete Gesteinskörper besonders instabil sei.“

 

Vergleichbare Schlüsse lassen sich aus einer Vielzahl weiterer wissenschaftlicher Veröffentlichungen, u. A. die Dissertation von Ulrike Hardenbicker, die allgemein zugänglich sind, aber in der Machbarkeitsstudie mit keinem Wort erwähnt werden, ziehen. Einige davon sind im Anhang aufgelistet.

Schmanke (4) schreibt: „Ganz anders sieht die Morphometrie und Geologie im südlichen Katzenlochbachtal und an den Osthängen des Venusberges und Kottenforstes aus. Hier überwiegt die Hangneigungsklasse mit stärkster potentieller Rutschgefahr (15 bis 35°) und die Geologie setzt sich hauptsächlich aus stark rutschanfälligen Gesteinen (sandige Tone, tertiärer Sohlenton) und Gesteinen mittlerer Rutschanfälligkeit (devonische Schiefer, Gehängelehm) zusammen. Hinzu kommt die Präsenz zahlreicher Rutschungen und Vernässungszonen, so dass die Dominanz der stark gefährdeten Flächen hier wohl richtig berechnet wurde.“ (Anmerkung.: diese Tatsachen sind also schon lange bekannt)

 

Eine Karte des bewaldeten Osthang des Venusbergs mit kartierten nachgewiesenen Hangrutschungen zwischen Poppelsdorf und Friesdorf findet sich in Grunert & Hardenbicker sowie in der Dissertation von Hardenbicker. Diese Rutschungen lassen sich in Google-Earth am Kronenwachstum der Bäume eindeutig erkennen, was auf aktive Kriechungen hinweist, sonst würden sich die Baumkronen in kurzer Zeit schließen. Siehe die Bilder aus Google Earth im Anhang. Ebenso zeigen die Fotos vom Säbel- und Bogenwachstum der Bäume am Hang sowie die Verwerfungen in den Treppenstufen oberhalb der Hinsenkampstraße, dass sich der Hang derzeit aktiv bewegt.

 

 

 

 

2.    Windgeschwindigkeiten

 

Auf Seite 29 der Machbarkeitsstudie heißt es:

 

„Zur Bewertung der Windsituation: Hier gibt es in Bonn voraussichtlich keine Einschränkungen. Die ständige Wetterstation der Universität Bonn in Endenich maß auf dem Dach des Meteorologischen Instituts in über 10 m Höhe (April 2015 bis April 2016) keine Windgeschwindigkeit über 30 km/h“.

 

(Anmerkung: In der Fußzeile findet sich ein Verweis auf die Datenquelle.)

 

 

Das ist falsch und bewusst irreführend. Tatsächlich ergibt sich aus der zitierten Quelle, dass an 200 Tagen des zitierten Zeitraumes die Windgeschwindigkeit jeweils mindestens einmal über 30 km/h lag.
An 25 Tagen ergeben sich Ereignisse mit Windgeschwindigkeiten über 60 km/h, teilweise bis 146 km/h. Die nachstehende Tabelle (Auszug aus der angegebenen Quelle) für den Zeitraum vom 05.05.2015 bis 04.04.2016 belegt dies eindrucksvoll.

 

 

 

Nr.

Datum

Anz.

[m/s]

[km/h]

1

05.05.2015

3

19,14

68,9

2

12.06.2015

2

18,58

66,9

3

07.07.2015

1

16,73

60,2

4

25.07.2015

7

17,74

63,9

5

05.09.2015

2

17,54

63,1

6

08.09.2015

10

40,61

146,2

7

09.09.2015

2

28,58

102,9

8

23.10.2015

4

31,78

114,4

9

29.10.2015

1

39,61

142,6

10

05.11.2015

2

23,53

84,7

11

12.11.2015

1

18,02

64,9

12

15.11.2015

2

16,89

60,8

13

17.11.2015

1

17,45

62,8

14

18.11.2015

13

22,45

80,8

15

29.11.2015

8

18,53

66,7

16

30.11.2015

4

18,7

67,3

17

26.12.2015

4

23,16

83,4

18

07.01.2016

4

19,07

68,7

19

30.01.2016

4

17,09

61,5

20

08.02.2016

11

19,19

69,1

21

09.02.2016

6

23,84

85,8

22

02.03.2016

1

20,48

73,7

23

16.03.2016

1

17,08

61,5

24

28.03.2016

1

16,81

60,5

25

04.04.2016

1

19,39

69,8

 

Summen

96

 

78,0

 

 

In dieser Tabelle wurden die Werte in km/h aus den Werten in m/s berechnet und von uns eingefügt. (Anz: Anzahl der Überschreitungen von 60 km/h an diesem Tag).

 

 

Dabei ist zu beachten, dass Windgeschwindigkeiten für den Betrieb von Seilbahnen sicherheitsrelevant sind. Eine 1S-Seilbahn muss aus Sicherheitsgründen bei der Gefahr von Böen über 60 km/h leergefahren und stillgelegt werden, bis die Gefahr solcher Böen vorüber ist. Die Gefahr von Böen tritt wesentlich häufiger auf, als tatsächlich Windgeschwindigkeiten von 60 km/h auftreten. Insoweit wären für Bonn pro Jahr mindestens 25 windbedingte Stillstände der Seilbahn zu erwarten. An stürmischen Tagen wie dem 08.09.2015 in der vorstehenden Tabelle wäre die Seilbahn vermutlich den ganzen Tag nicht gefahren (10 Ereignisse sind an diesem Tag dokumentiert), so auch am 18.11.15 (13 Ereignisse) und am 8.2.16 (11 Ereignisse).                                                                
Starkwindereignisse treten in jüngerer Zeit immer häufiger auf und werden aufgrund des Klimawandels zukünftig an Häufigkeit und Intensität zunehmen.

 

 

 

Außerdem haben die Gutachter der Machbarkeitsstudie ein weiteres Wetterphänomen einfach unterschlagen: die Gefahr von Gewittern.
Beim Auftreten von Gewittern muss eine Umlaufseilbahn (egal welchen Typs) sofort leergefahren und stillgelegt werden, bis die Gefahr sicher vorüber ist. Dies sehen sämtliche Vorschriften für den Betrieb von Seilbahnen vor.

 

Laut Wetter.de kommen in Bonn im Jahresmittel Gewitter zwischen 5- und 8- mal vor. Auch sie stellen ein Ausfallrisiko für eine Seilbahn dar, sind allerdings seltener als Windböen, die im Zusammenhang mit Gewittern noch stärker und gefährlicher ausfallen.

 

Schließlich ist der Vollständigkeit halber anzumerken, dass für vorgeschriebene Wartung und Revision die Seilbahn jährlich ca. 8 weitere Tage ausfällt. (MBKS S. 105)

 

Summa Summarum ist mit Ausfällen an mehr als 31 Tagen und für ganztägige Wartungen an weiteren 8 Tagen zu rechnen. Daher muss für die genannten Zeiträume Ersatz bereitgestellt werden, d.h. verfügbare Busse und Fahrer, die kurzfristig einspringen können. Dies ist in der Nutzen-Kosten-Untersuchung als geringerer Nutzen für den genannten Zeitraum und gleichzeitig als zusätzliche Kosten für Ersatzbetrieb und Bereitstellung einzupreisen.

 

 

 

 

3.    Betriebskosten

 

Zu Beginn der öffentlichen Seilbahndebatte hieß es, die Seilbahn verursache keinerlei Betriebskosten. Der Gutachter der Machbarkeitsstudie, Dr. Baum, korrigierte schließlich die Angaben und bezifferte die zu erwartenden Personalkosten auf ca. 1,45 Mio. € pro Jahr und die Energiekosten auf 857.600 €. Gegenübergestellt wurden Kostenreduzierungen durch Ausdünnung oder Einstellung von Buslinien in der Größenordnung von 550.000 €. Schließlich wurde sogar die Einsparungen durch den nicht erfolgten Ausbau der Robert-Koch-Straße eingepreist, was eine weitere Reduzierung der Betriebskosten um mehr als 175.000 € ergab, sich aber logisch kaum erschließt. Summa Summarum ergaben sich nach den Berechnungen von Dr. Baum jährliche Betriebskosten von 1,58 Mio. € für die gesamte Seilbahntrasse vom Venusberg bis Ramersdorf.

 

Folgende Gründe sprechen für deutlich höhere Kosten als in der Machbarkeitsstudie veranschlagt:

 

  • Aus Sicherheitsgründen muss an jeder Station im Ein-/ Ausstiegsbereich an jedem Seil eine Aufsichtsperson präsent sein. Sollte z.B. ein Rollstuhlfahrer/Kinderwagen/Rollator beim Ausstieg aus der sich bewegenden Gondel Probleme bekommen bzw. stürzen, müsste sofort eine Aufsichtsperson verfügbar sein, um Hilfe zu leisten, denn die Gondel fährt ja weiter und schleift den Gestürzten unter Umständen mit, was schließlich bis zum Absturz der Person aus großer Höhe am Ende des Bahnhofs führen kann. 
    Damit ergeben sich je Station 2 Aufsichtspersonen.
    Für Pausen, Toilettengänge etc. ist je Station ein Springer für   die Aufsichtspersonen vorzusehen.
  • Das Gesamtsystem erfordert je Schicht einen Betriebsleiter, der in Notfällen (Unfall, Feuer, kriminelle Übergriffe, Vandalismus, Techn. Probleme, Personalausfall etc.) Entscheidungen trifft, Maßnahmen einleitet und überwacht.
  • Für die Bedienung und Überwachung der Technik ist je Schicht 1 Techniker vorzusehen. Bei zwei getrennten Segmenten (Übergang am UN-Campus) ist gegebenenfalls je Segment ein Techniker vorzusehen, das wären dann zwei Techniker je Schicht.
  • Für Videoüberwachung des Gesamtsystems ist mindestens 1 Person je Schicht vorzusehen.
  • Geplant ist ein täglicher Betrieb von 19 Stunden (Laufzeit plus eine Stunde Konfiguration). Das entspricht einem Vier-Schichten-Betrieb an 7 Tagen pro Woche:18 Stunden x 7 Tage = 126 Stunden pro Woche; Wochenarbeitszeit 38 Stunden = Faktor 3,3 (also 3,3 Schichten).
  • Dieser Faktor ist aufgrund Ersatz für Urlaub, Krankheit, Aus- und Weiterbildung, Elternzeit etc., mit 20 % Erhöhung anzusetzen, so dass letztlich ein Faktor 4 verbleibt. Dieser Faktor ist auf jeden o. g. Arbeitsplatz anzuwenden.

Somit ergibt sich ein Personalbedarf von:

40

Aufsichtspersonen, das sind je Station stetig 2 Personen x 5 (Stationen) x Faktor 4

20

Springer für Pausen etc., das wäre 1 Person je Station bei 5 Stationen x Faktor 4

4

Betriebsleiter, das ist je Schicht 1 zentrale Aufsichtsperson x Faktor 4

4

Maschinisten, das ist je Schicht 1 Maschinist für die gesamte Technik x Faktor 4

4

Personen Videoüberwachung, das ist je Schicht 1 Person x Faktor 4

72

Personen Gesamtbedarf = Summe aus den Positionen;

 

 

Falls je Segment ein Maschinist erforderlich ist, erhöht sich der Bedarf um zus. 4 Personen

 

Sollte die Seilbahn später noch erweitert werden, so erhöht sich der Betrieb je Station um jeweils ca. 12 Personen und gegebenenfalls je Segment um weitere 4 Personen.

 

Dieser Wert von 72 Personen ist deutlich höher als vom Gutachter angesetzt.          
Rechnet man mit den üblichen 50.000 € pro Jahr für die gesamten Arbeitskosten für einen Angestellten, so kommt man bei den jetzt geplanten 5 Bahnhöfen auf
3,6 Millionen € allein für Arbeitskosten.

 

Bei dieser Abschätzung des Personalaufwandes ist nicht einmal ein Hausmeister, der kleinere Reparaturen ausführt, Lampen wechselt etc., vorgesehen.

 

Für die Stromkosten ist anzusetzen: 19 Std. täglich 1500 kW (*)(für die Maschinen) + 20% für Beleuchtung, Reifenförderer, Aufzüge. Das Ergebnis multipliziert man mit 365, so kommt man auf den Jahresstromverbrauch. Der liegt dann bei 12,5 Millionen Kilowattstunden. Bei angesetzten 25 ct je kWh kommt man damit auf 3,1 Millionen € Stromkosten pro Jahr. Eventuell ergibt sich ein Großverbraucherrabatt. Würde die Seilbahn wie angekündigt mit Ökostrom betrieben, wären die Stromkosten noch höher anzusetzen.

 

ANMERKUNG (*): die erforderliche Leistung (Dauerleistung) wurde ermittelt aus vergleichbaren Anlagen, z.B. Giggijochseilbahn in Sölden.

 

Somit ergibt sich nur für Personal- und Stromkosten ein Jahresaufwand von 6,7 Millionen €. Das ist bereits der 4,2-fache Wert bezogen auf die in der Machbarkeitsstudie genannten gesamten Betriebskosten von 1,58 Mio. €    
Dazu kommen noch Kosten für Versicherungen (§12 SeilbGNRW), Reinigung (Stationen und Gondeln), Schließdienst, Wartung und Betriebsmittel für Aufzüge und Seilbahntechnik und schließlich für Verwaltung und Organisation.

 

Zuzüglich kommen die Kosten für Ersatzverkehrsmittel bei Ausfall der Seilbahn wegen Starkwind, Gewitter, Wartung (pro Jahr an 25 +6+8 Tagen); allerdings stehen Ersatzverkehrsmittel und -fahrer weder bei den Stadtwerken SWB Bus und Bahn noch bei Subunternehmern bereit und müssten angeschafft und bereitgehalten werden, was neben den anfallenden Kosten an den 38 Tagen mit weiteren erheblichen Anschaffungskosten sowie Bereitstellungskosten für die übrigen 330 Tage verbunden sein wird.

 

Die in der Machbarkeitsstudie durchgeführte Gegenrechnung der eingesparten Buslinien ist in der vom Gutachter vorgeschlagenen Form ohnehin nicht zulässig, da die Bonner Buslinien ja einen viel größeren Bereich abdecken als die Seilbahnstrecke. So fährt z.B. die Buslinie 600 von Graurheindorf über den Hauptbahnhof, Venusberg nach Ippendorf, die 601 und 602 vom Venusberg bzw. Waldau bis nach Tannenbusch und zurück. Somit würden z.B. die Bewohner des Venusbergs, die nach Bonn Innenstadt wollen (die Seilbahn führt dort aber nicht hin) sowie die Bewohner der gesamten Bustrasse (z.T. bis nach Tannenbusch) schlechter bedient und würden teilweise zurück auf das Auto umsteigen mit negativem volkswirtschaftlichen, verkehrlichen und ökologischen Effekt, was eigentlich als reduzierter Nutzen in die N-K-Analyse eingehen müsste. Die derzeit gewählte Bewertung bildet also die Realität nicht ab und führt zu falschen Ergebnissen.

 

 

 

Rücklagen

 

Auch müssten für das gesamte System Seilbahn Rücklagen gebildet (die Stadt Bonn bildet keine Rücklagen!) oder alternativ entsprechende Beträge für den Ersatzfall eingeplant werden. Geht man von einer Lebensdauer der Seilbahn von 20 - 30 Jahren aus (im Mittel für diese Abschätzung 25 Jahre), so müsste ein Betrag in Höhe der Erstellungskosten geteilt durch 25 jedes Jahr zurückgelegt werden oder die gesamten Erneuerungskosten nach 5 Kommunalen Legislaturperioden aufgewendet werden (das ist für die politischen Entscheider jenseits des Erlebnishorizonts und wird deshalb regelmäßig nicht berücksichtigt).
Schon bei den angesetzten Erstellungskosten von 42 Millionen Euro wären das jährlich ca. 1,7 Millionen Euro, wahrscheinlich liegt der Betrag bei realistischer Schätzung der Erstellungskosten doppelt so hoch. Diese Kosten würden nach heutiger Lage nicht vom Land übernommen oder unterstützt werden, müssten also von der Stadt Bonn bzw. den Stadtwerken zugeschossen werden. Sie müssen daher in der Nutzen-Kosten-Analyse berücksichtigt werden.

 

Wir haben den Eindruck, dass die tatsächlich anfallenden Kosten gegenüber der Öffentlichkeit und den mit der Angelegenheit befassten Gremien bewusst verschwiegen und verschleiert werden, um eine positive Entscheidung für die Seilbahn nicht zu gefährden und einen günstigen Nutzen-Kosten-Indikator zu erhalten.

 

Wir haben hier nur einige wenige Aspekte aufgegriffen, um das zu verdeutlichen. Viele Aussagen in der Machbarkeitsstudie sind schlichtweg falsch und täuschen geringere Kosten vor, wesentliche Kostenaspekte dagegen wurden verschwiegen oder geschönt.
Deshalb möchten wir nicht versäumen, diese Aspekte bereits jetzt aktenkundig zu machen, damit für später zu treffende Entscheidungen von politischen Gremien oder zuständigen Behörden keine unzutreffenden Erwägungen zugrunde gelegt werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Prof. Dr. Klaus Oehmen

 

Rechtsanwalt

 

Download
Schreiben an Stadt Bonn.pdf
Adobe Acrobat Dokument 289.7 KB
Download
Auszug_Ing-geol-K-5208.PDF
Adobe Acrobat Dokument 121.0 KB
Download
Literatur.PDF
Adobe Acrobat Dokument 50.6 KB
Download
Tiefenzersatz_Gru_Har - Kopie.PDF
Adobe Acrobat Dokument 718.9 KB
Download
Auszug_Hardenbicker_Diss.PDF
Adobe Acrobat Dokument 570.6 KB
Download
Auszug_Schmanke.pdf
Adobe Acrobat Dokument 502.0 KB
Download
Fotos_Rutschungen.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.6 MB

EILMELDUNG: General-Anzeiger manipuliert Ergebnisse um!


 

29.05.2019 EILMELDUNG:

Wuppertaler Bürger entscheiden sich  gegen die Seilbahn!

In Wuppertal ist das von der Stadt geplante Seilbahn-Projekt bei einer Bürgerbefragung durchgefallen. Mit Nein stimmten knapp 62 Prozent, nur gut 38 Prozent befürworteten das Projekt, wie die Stadt am Sonntagabend auf ihrer Internetseite mitteilte. In fast allen Stimmbezirken wurde der nach Schätzungen über 82 Millionen Euro teure Bau mehrheitlich abgelehnt.

Nach Angaben einer Stadtsprecherin sagte Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) noch am Abend, eine Seilbahn für Wuppertal werde es nicht geben. Das Resultat der Befragung hat zwar keine bindende Wirkung. Jedoch hatten die Politiker zuvor erklärt, sie wollten das Ergebnis respektieren.

 

Wir gratulieren der Bürgerinitiative "Seilbahnfreies Wuppertal" zu diesem Erfolg, der auf ihre intensive Aufklärungsarbeit zurückzuführen ist.

Siehe folgendes Video mit Prof. Marc Gennat:

 

Und was hat der General-Anzeiger gemeldet?

Eine kleine Meldung, die man leicht übersieht; einspaltig, gerade einmal 12 Zeilen lang.

Keine Schlagzeile auf der ersten Seite!

Das ist ja auch eine negative Nachricht für die Bonner Planer und Nutzniesser, dass die Wuppertaler Seilbahn durchfällt. 

 

Die kleine Meldung steht in klarem Kontrast gegenüber der Berichterstattung zur Bonner Seilbahn, die oft mit Schlagzeilen auf der ersten Seite einhergeht und die fast ausnahmslos positiv gefärbt ist.

Der GA, der sich seit der WCCB-Berichterstattung gern als Aufklärer sieht, liefert derzeit ein sehr einseitig gefärbtes Bild über ein sehr umstrittenes Projekt.

 

 

 

News

Termine, Mitteilungen, Wissenswertes

Seilbahnstützen

Feuchtbiotop