Warum ist die Bürgerinitiative "BONN BLEIBT SEILBAHNFREI" gegen diese Seilbahn?

Wir wollen, dass Bonn attraktiv und liebenswert bleibt – ohne riesige Stahlkolosse auf Schulhöfen und über Spielplätzen.

Wir wollen keine Trassenbauten und Rettungswege, die nachhaltig Landschaftsschutzgebiete beeinträchtigen und Waldgebiete des innerstädtischen Bereichs unwiederbringlich zerstören.

 Wir wollen diese furchtbaren Monumente des Größenwahns mit 30-40 Meter Höhe nicht, die „Straßenabbindungen“ erzeugen.

Die Seilbahn erzeugt Geräusche, Schattenwurf und Lichtverschmutzung. Sie verschlingt durch ihren Dauerbetrieb viel Energie mit entsprechenden CO2 Emmissionen und eine Menge Geld (Steuergelder), bewirkt aber statt versprochener Entlastung lediglich eine Verlagerung von Verkehrs- und Parkproblemen.

Die Seilbahn ist als Stetigbeförderer ungeeignet, viele Personen zu Stoßzeiten zu befördern. Für die Verwirklichung des Seilbahnprojektes in Bonn sollen Buslinien des ÖPNV eingespart sowie Taktungen vergrößert werden. 

 

Was wir wollen: BONN BLEIBT SEILBAHNFREI setzt sich ein für ein durchdachtes und nachhaltiges Verkehrskonzept für Bonn.

 

Ist die Seilbahn umweltfreundlich?

Nein. Eine Seilbahn, die täglich über eine Zeitdauer von 18 Stunden (plus 1 Stunde Einrichtung) mit 1500 kW Leistung läuft, verbraucht inklusive Aufzüge, Beleuchtung und notwendiger Infrastruktur 33.000 kWh pro Tag. Das ergibt im Kraftwerk eine Emission von 17.000 kg CO2 pro Tag (berechnet nach Zahlen des deutschen Umweltbundesamtes). Die gleiche Menge Abgas erzeugen 20.000 Autos, die eine durchschnittliche Seilbahnstrecke über die Straße abfahren.

Die hier angegebene Leistung ist aus einer vergleichbaren 1-S-Seilbahn in Österreich entnommen und wurde auf die Verhältnisse für die geplante Bonner Seilbahn (Seilmasse, Länge, Anzahl und Gewicht der Gondeln, Geschwindigkeit etc. ) angepasst, ist also ein realistischer Wert.
Wie viele Autofahrer steigen auf die Seilbahn um? Laut Gutachter sind es 1.700 Fahrten täglich, also 850 Autofahrer! Ein zweifelhafter ökologischer Erfolg! Einsparung von 1.700 Autofahrten, dafür eine zusätzliche Emission wie die Abgase von 18.000 Autofahrten!
Und alle Erfahrungen zeigen: Wahrscheinlich steigen kaum Autofahrer um. Weil sie bequem sitzen und keine langen Fußwege haben. Die immense Emission entsteht trotzdem, tagaus, tagein, völlig unsinnig und zusätzlich zu den verkehrsbedingten Emissionen.
Die Seilbahn ist eine gigantische Dreckschleuder! Sie darf nicht gebaut werden in Zeiten des Klimawandels!

 

Was sagt der Gutachter zum Energieverbrauch der Seilbahn?

Der Gutachter Dr.-Ing. Thomas Baum schreibt, "Seilbahnen sollen sehr energiesparend sein" (Machbarkeitsstudie, S. 36) und belegt seine Behauptung mit einer Studie von 2009, die von Doppelmayr, dem weltgrößten Seilbahnhersteller, bezahlt wurde.

Tatsache ist: Das Ergebnis ist schön gerechnet. Die Studie verwendet Zahlen von 2008 aus Österreich. Auf S. 6 dieser Studie befindet sich der Hinweis:

"Dieser im Vergleich mit anderen Ländern geringe Wert ergibt sich durch den österreichischen Strommix mit einem hohen Anteil an erneuerbarer Technologien wie der Wasserkraft. Werden die Seilbahnen in einem anderen Land betrieben, muss dieser Wert auf den örtlichen Strommix angepasst werden. Dadurch können sich die Ergebnisse der Emissionen von Seilbahnen deutlich verändern."

 

Vertiefende Information: In der Studie werden zu 50 % ausgelastete hochalpine Seilbahnen (29,3 % Steigung) mit einem fast leeren Bus (12 Fahrgäste), der eine 3,1 mal längere Serpentinenstrecke hochfährt, verglichen! Mit einer CO2-Emission, die nur für Österreich gilt und laut Umweltbundesamt in Deutschland 2,4 mal höher ist. Der Bus wäre laut Deutschem Umweltbundesamt mit 21 Personen zu veranschlagen, also 1,75 mal höher ausgelastet als in der Studie angegeben. Und die Busse zum Venusberg sind tatsächlich noch stärker ausgelastet. Die Seilbahn dagegen wird in Bonn eine Auslastung von weniger als 15% erreichen gegenüber den 50% in der Studie. Damit ergibt sich eine Verschlechterung des Ergebnisses um weitere 333%. Summa Summarum bedeutet dies für Bonn: es ergibt eine Erhöhung der CO2-Emissionen der Bonner Seilbahn gegenüber der vom Gutachter angeführten Studie von über 1.400%, also dem 14-fachen Wert. Der Gutachter zitiert diese ungültigen und falsch gerechneten Werte ohne jede Einschränkung.

 

Fazit: Eine grandiose Irreführung der Leser der Studie und der Entscheider im Rat

 

Entlastet die Seilbahn den Verkehr zum Venusberg?

Ja, aber nur marginal. Der finanzielle Aufwand steht in keinem Verhältnis zur Entlastung der Robert-Koch-Straße. Die vom Gutachter berechnete Entlastung beträgt 8,3 Prozent für einen finanziellen Aufwand in Höhe von (bisher prognostizierten) 42 Mio € Steuergeldern. Hinzu kommen jährliche Personal- und Stromkosten von über 3 Mio €. Wartungskosten und Abschreibung erhöhen die gesamten Betriebskosten auf über 7,4 Mio € pro Jahr.

Hat die Seilbahn tatsächlich nur Vorteile für die Bewohner des Venusbergs?

Um die Seilbahn auszulasten, schreckt der Gutachter nicht einmal vor einem Parkraumbewirtschaftungskonzept zurück, das im Bereich außerhalb der Universitätskliniken wesentlich höhere Parkgebühren vorsieht. „Durch angemessenes Parkraummanagement des öffentlichen Raums ohne Bevorzugung der Anwohner durch Bewohnerparken kann auch hier eine wirksame Umverteilung der Verkehrsarbeit gefördert werden (Seite 85 der Machbarkeitsstudie).“ Die Bewohner des Venusbergs und deren Besucher werden damit massiv zur Kasse gebeten oder erhalten Knöllchen in Hülle und Fülle.

 

Ist die Seilbahn, wie Prof. Monheim behauptet, „minimal invasiv“?

Der Seilbahnlobbyist Prof. Heiner Monheim behauptet, eine Seilbahn sei minimal invasiv.

Laut Gutachter Dr. Baum (Machbarkeitsstudie) ist die Auslastung dieser Seilbahn so gering, dass sich nur eine 1-S-Seilbahn lohne, also eine Seilbahn mit nur einem Seil. Trotz dieser "kleinen" Lösung sind die Ausmaße gigantisch:

Alle 200-400 m steht eine Seilbahnstütze mit einer Grundfläche von ca. 20 x 15 m und einer Höhe von bis zu 45 m. Insgesamt stehen entlang der Trasse 24 Stützen und 5 Bahnhöfe, davon 3 Bahnhöfe im 2. Stock, also in der Luft.
So wird zum Beispiel mitten in der Urstadtstraße eine 35 m hohe Stütze errichtet, die Urstadtstraße und die Kessenicher Straße werden dann gesperrt. Eine weitere Stütze (Höhe 32 m) wird auf den Schulhof der Erich-Kästner-Schule gebaut, schließlich kommt eine Zwischenstation von mindestens 45 m Länge und 15 m Breite über den Spielplatz Hindenburgplatz. Sie wird 12 - 15 m hoch liegen und nur über Treppen / Fahrstühle erreichbar sein. Und sie erfordert ein Parkhaus in der Nähe, für das derzeit kein Raum existiert.

Drei über 40 m hohe Stützen werden im Wald am Venusberghang stehen, 5 Stützen in Rheinaue und im Landschaftsschutzgebiet Rheinufer (45 m hoch), das nicht bebaut werden darf. Und über dem Trajektkreisel wird eine über die Straße gespreizte riesige Stütze gestellt, damit die Seilbahn über die Skulptur ARC 89 von Bernar Venet schweben kann. Der Bötchensee in der Rheinaue wird vom Seilbahnhof „geprägt“ was zu Deutsch heißt: er wird in seiner Wirkung zerstört.

Ein massiver Eingriff in Stadtbild und Natur und das Leben der Anrainer. Mit Geräuschentwicklung, Vibration, Lichtverschmutzung durch beleuchtete Gondeln früh am Morgen bis spät in die Nacht und alle 15 Sekunden Schattenwurf durch vorbeifahrende Gondeln. Der Lebensraum von Vögeln und Fledermäusen entlang der Trasse wird zerstört, das Landschaftsschutzgebiet Venusberghang wird 18 Stunden täglich von Geratter und Schattenwurf durchsetzt, die Anwohner können nicht schlafen und die Schüler können sich nicht auf den Unterricht konzentrieren, wenn die Schule alle 15 Sekunden von einer Gondel überflogen wird.

 

 

Wer kassiert?

Die Hersteller von Seilbahnen haben mit zwei Problemen zu kämpfen:

Jede Hanglage im Mittelgebirge besitzt einen Skilift und jeder Gipfel in den Alpen eine Seilbahn. Da ist kein Wachstum mehr möglich. Der Klimawandel tut sein übriges, die Gletscher schmelzen ab und Skifahren ohne Kunstschnee ist kaum noch möglich.

Daher haben die Seilbahnhersteller nach neuen Märkten gesucht und urbane Seilbahnen zum Verkehrsmittel der Zukunft ausgerufen. Lobbyisten sind in allen Großstädten unterwegs und bringen die Idee in Ratsstuben und Verwaltungsbüros.

Kassierer des selbst ausgelösten Booms sind die Seilbahnhersteller. Auch Planungsbüros, Gutachter, Baufirmen und Stromversorger  verdienen da ordentlich mit.

Wer profitiert?

Städte und Kommunen unterliegen dem Irrtum, mit Seilbahnen ließen sich Verkehrsprobleme lösen, Abgase vermeiden und Erlöse generieren. Die Investitionskosten sollen die Länder und die EU größtenteils bezahlen, geschmückt mit den Etiketten Umweltfreundlichkeit, schnelle Realisierbarkeit und Fahrerlebnis. Dass das alles vorgeschoben ist und der Wirklichkeit nicht entspricht, wird in der momentanen Begeisterung für etwas Neues schnell vergessen.

Erlöse lassen sich nicht realisieren, da die Seilbahn mit dem ÖPNV selbst konkurriert, aber mit gleichem Ticket abgerechnet wird. Riesige Bauwerke, seltene Haltestellen, verbunden mit weiten Fußwegen, geringe Koppelbarkeit mit anderen Verkehrsmitteln und mangelnde Eignung im Stoßverkehr werden Pleiten erzeugen und schließlich Rückbau erzwingen, geforderte Rückzahlung der Zuschüsse tun dann das Übrige für die kommunalen Kassen.
Profit: Fehlanzeige

Wer bezahlt?

Wie ist das mit gescheiterten großen und teuren Projekten? Gibt es da Versicherungen, Haftung, Schuldige? Gibt es jemanden, der die Verantwortung übernimmt für Fehleinschätzungen, Fehlplanung, mangelnde Prüfung der Hochglanzprospekte auf deren Wahrheitsgehalt?

 

Fakt ist, Risiken und Pleiten werden sozialisiert, die zahlen die Bürger.

Auch wenn ein Großkonzern, eine IHK oder ein Tourismusverband eine solche Maßnahme lauthals gefordert hat, weil man sich einen Vorteil davon versprach – zahlen muss die Allgemeinheit. Fahrpreiserhöhungen, Grundsteuer, Erhöhung aller möglichen Gebühren und Abgaben, Ausdünnung kommunaler Leistungen wie Verkehrsversorgung, Sport- und Kulturförderung, Sparmaßnahmen bei Stadtreinigung, Sanierung und Pflege öffentlicher Anlagen sind Beispiele solcher Maßnahmen. Jeder Bonner kennt das von den Folgen des WCCB.
Den Schaden haben diejenigen, die vom vergeigten Projekt am wenigsten profitiert hätten und es am wenigsten wollten.

 

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