Studien, die die Umweltfreundlichkeit von Seilbahnen belegen sollen

In der Machbarkeitsstudie auf S. 36 Energiebedarf schreibt der Gutachter Dr. Ing. Thomas Baum: „Seilbahnen sollen sehr energiesparend sein. Dies gilt uneingeschränkt nur dann, wenn diese unter Volllast fahren und nicht zu schnell sind."

 

Der dann folgende eingerückte Text stammt aus Mountain-Manager, 7/2009, einer Zeitschrift zum Thema Skipisten, Fremdenverkehr, Seilbahnen. Der Bericht beschreibt die Ergebnisse einer Studie. Die Originalquelle: „Studie Emissionsermittlung für Seilbahnen“ von Climate Partner, August 2009 wurde vom Gutachter überhaupt nicht gelesen und auch nicht referiert.

Skandalös ist, dass das Gutachten, erstellt durch Climate Partner Austria, von Doppelmayr bezahlt wurde, es ist also nicht neutral. Ebenso liegt das Urheberrecht der Studie bei Doppelmayr Seilbahnen und die Studie ist nicht allgemein zugänglich.

 

Hinweis: Wir haben die Studie natürlich bei Doppelmayr angefordert.

Doppelmayr hat uns die Studie massiv gekürzt geschickt. Wir erhielten lediglich die Seiten 1-11, Seite 19, Seiten 27 bis 40. Auf den fehlenden Seiten 12-18 befinden sich die Daten und Messwerte Winter, auf den Seiten 20-26 befinden sich die Daten und Messwerte Sommer.

 

Dazu schrieb Doppelmayr:

 

"Beachten Sie bitte, dass ich jene Seiten mit den detaillierten Daten zu Anlagen unserer Kunden aus Datenschutzgründen nicht mitgeschickt habe. Es wurden 33 Anlagen des Typs 'kuppelbare Gondelbahnen für 8 Personen' untersucht."

 

Nach unserer Frage nach den fehlenden Seiten erhielten wir folgende Antwort:

 

„Die Datenschutzgründe sind in keinster Weise vorgeschoben. Die übersandte Studie ist für Ihre persönliche Verwendung und darf nicht vervielfältigt und/oder digital weiterverarbeitet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Mag. Ekkehard Assmann,

Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit."

 

Da diese Studie für den Energiebedarf und die Umweltfreundlichkeit der Seilbahn herangezogen wurde, muss sie hier referiert werden. Uns lag die Quelle bereits vor dem Schreiben von Doppelmayr vollständig vor. Daher zitieren wir aus der Quelle und erklären auch die Messmethode und die Ergebnisse, die uns Doppelmayr vorenthalten wollte.

 

Wie kommen die Ergebnisse der Studie zustande?

  1. Emissionsfaktor:
    In der Studie wird durchgängig mit einem Emissionsfaktor von 250 g CO2/kWh gerechnet. Der Emissionsfaktor zeigt an, wie viel CO2-Emission bei der Erzeugung einer Kilowattstunde Strom im Kraftwerk emittiert wird. Für Deutschland gilt im gleichen Jahr (laut Umweltbundesamt Deutschland) 624 g CO2/kWh, also ein 2,5-fach höherer Wert.

    Auf Seite 6 der Studie findet man diesbezüglich folgende Einschränkung: "Dieser im Vergleich zu anderen Ländern geringe Wert [Anm. der Redaktion: gemeint ist der Emissionsfaktor bei der Stromerzeugung] ergibt sich durch den österreichischen Strommix mit einem hohen Anteil an erneuerbarer Technologien wie der Wasserkraft. Werden die Seilbahnen in einem anderen Land betrieben, muss dieser Wert auf den örtlichen Strommix angepasst werden. Dadurch können sich die Ergebnisse der Emissionen von Seilbahnen deutlich verändern.“

  2. Testverfahren: Bremstest
    Zitat: „Bei den 33 Seilbahnen handelt es sich bei allen um den Typ 8-MGD. Die angegebenen Daten stammen von den durchgeführten Bremsproben der Doppelmayr Seilbahnen GmbH. Diese Seilbahnen werden mit den aus der folgenden Tabelle zu entnehmenden Auslastungsfällen berechnet. Diese Auslastungsfälle wurden von Doppelmayr Seilbahnen GmbH angegeben.“

    Das heißt, dass Climate Partner nicht selbst gemessen hat, sondern Daten von Doppelmayr bekam und daraus Emissionswerte berechnete. Die Studie fußt damit auf nicht nachprüfbaren Daten, noch dazu geliefert vom Auftraggeber. Das läßt Zweifel an der Seriosität der Studie aufkommen.

    Sauber wäre gewesen, den Stromverbrauch der Seilbahn zu messen (dafür reicht der Stromzähler), zuzüglich alle anderen zum Betrieb notwendigen Verbraucher wie z. B. Aufzüge, Beleuchtung, Reifenförderer in den Stationen. Zusätzlich hätten die im Messzeitraum beförderten Personen ermittelt werden müssen. Dann wären alle Werte tatsächlich vergleichbar mit den Emissionen anderer Verkehrsmittel, insbesondere der Busse.

  3. Benutzte Werte
    Im Teil 6, Emissionsfaktoren von andern Verkehrsmitteln finden sich in der Studie:

    Emissionsfaktor Auto:
    Für das Auto wurde ein Emissionsfaktor von 248 g/P km angesetzt. Der Wert des deutschen Umweltbundesamtes beträgt 142 g/P km. Nur dieser Wert hätte in Deutschland angesetzt werden dürfen.

    Auslastung Verkehrsmittel:
    Die untersuchte Seilbahn hat 50 % Auslastung und wird mit einem Bus mit 12 Passagieren (circa 12 % Auslastung) verglichen. Wenn man vergleicht, müssen die Bedingungen gleich sein. Warum hatten nicht beide die gleiche Auslastung?

    Der statistische Linienbus des deutschen Umweltbundesamtes hat 21 % Auslastung, das entspricht etwa 21 Passagieren. Es ist demnach in Deutschland nicht zulässig, einen Vergleich mit einem mit 12 Passagieren beladenen Bus durchzuführen.
    Fazit: Der Linienbus des Umweltbundesamtes hätte gegen die Seilbahn im Climate-Partner-Gutachten bei den Emissionen stets haushoch gewonnen.

  4. Bedingungen im Test bei Climate Partner: 29,27 % durchschnittliche Steigung der Seilbahn, der Bus muss eine 3,14 mal längere Strecke (Serpentinen) fahren. Es handelt sich um eine hochalpine Situation.

    In der Gegenüberstellung Seilbahn-Bus steht der Satz: „Da der Bus ebenso wie ein PKW in extremen Steigungen und beim Einsatz im Winter auf seine Einsatzgrenzen stößt, zeigt sich die Seilbahn in diesem Vergleich eindeutig als die technisch sinnvollste und emissionsärmste Variante Personen bergauf zu befördern.“

Unsere Interpretation

Eine Seilbahn mit 50 % Auslastung ist ein unrealistischer Fall.

Betrachtet man z. B. die morgendliche Stoßzeit: 50% Auslastung hieße, dass alle hochfahrenden Gondeln bis auf den letzten Stehplatz gefüllt (wobei gleichzeitig alle herunterfahrenden Gondeln leer wären). Eine solche hohe Auslastung gibt es bei urbanen Seilbahnen nicht.
Eine Seilbahn als Stetigförderer, in die man ohne Wartezeiten sofort einsteigen kann, erfordert eine geringe Auslastung bzw. eine Überdimensionierung der Seilbahn.

 

Fazit der Studie: Hat die Seilbahn aber weniger als 50 % Auslastung, gewinnt der Bus, wohlgemerkt der österreichische Bus mit 12 Passagieren. Sind mehr Passagiere im Bus - für Deutschland gelten laut Umweltbundesamt 21 Passagiere - gewinnt der Bus immer gegen die Seilbahn.

 

Climate Partner hat versucht, auf undurchsichtige Weise die Emission pro Personenkilometer zu ermitteln und mit der Emission des Busses pro Personenkilometer zu vergleichen. Dieser Vergleich ist aber schon deshalb nicht zulässig, weil die Verkehrsmittel verschiedene Wege nehmen.

Auch kann dieser Wert bei Massenverkehrsmitteln je nach Randbedingungen, z. B. ob der Energieverbrauch der Seilbahnstationen für Aufzüge etc. berücksichtigt wird, zu ganz verschiedenen Ergebnissen führen.

 

Die Straßenbedingungen zum Venusberg sind alles andere als hochalpin:

Der Venusberg hat einen Höhenunterschied zu Dottendorf von maximal 110 m, bei einer Strecke entlang der Robert-Koch-Straße ergibt dies eine durchschnittliche Steigung von weniger als 8 %. Kein Bus zum Venusberg muss in Serpentinen hochfahren, wie dies bei der Climate Partner Studie der Fall war.

 

Abschließender Satz der Studie: "[...] ab einer Auslastung von 50 % […] werden die Emissionswerte der Bahn und des Busses unterschritten."

dort S. 33 oben: „Bei zu geringen Personenbeförderungen ergeben sich hohe Emissionswerte pro Personenkilometer, die deutlich über den CO2-Emissionen von Bahn und Bus liegen.“

 

Fazit: Selbst bei den undurchsichtigen Prüfbedingungen, die so gewählt sind, dass die Seilbahn im Vorteil ist, und noch dazu gegen einen fast leeren Bus, gewinnt die Seilbahn nur bei mindestens 50 % Auslastung.

 

Damit beweist die Studie eigentlich das Gegenteil: Bei den in Deutschland geltenden Voraussetzungen (Emissionswerte und Busauslastung laut Umweltbundesamt, nicht-alpine Bedingungen) hat die Seilbahn keine Chance gegen den Bus.

 

Außerdem ergibt sich daraus: Hätte man gleiche Auslastungen bei beiden Verkehrsmitteln angesetzt, hätte die Seilbahn immer verloren.

 

Dann fällt noch auf, dass der Gutachter Dr. Baum das Wesen von Seilbahnen nicht verstanden hat. Der Gutachter schrieb: „Seilbahnen sollen sehr energiesparend sein. Dies gilt uneingeschränkt nur dann, wenn diese unter Volllast fahren und nicht zu schnell sind."
Das ist Unsinn. Eine Seilbahn unter Volllast ist kein Stetigförderer mehr, da niemand mehr zusteigen kann und an jeder Station Warteschlangen entstehen. Das Wesen eines Stetigförderers ist, dass in möglichst jeder ankommenden Gondel Kapazität für Zusteigende besteht. Eine Seilbahn muss daher mit Überkapazität betrieben werden.

News

Termine, Mitteilungen, Wissenswertes

Seilbahnstützen

Feuchtbiotop