Ängste und Bedrohungen

Die Akzeptanz eines Verkehrsmittels hängt nicht nur davon ab, ob der Fahrgast sicher befördert wird, sondern auch, ob er sich sicher fühlt. Treten Ängste oder tatsächliche oder vermeintliche Bedrohungen auf, so wird das Verkehrsmittel gemieden. Wir alle kennen das vom Fliegen oder von der Achterbahn.

Auch die Seilbahn ist mit Ängsten und Bedrohungen belegt, wie im folgenden gezeigt wird. Diese müssen sowohl bei der Planung als auch bei der Nutzenkalkulation berücksichtigt werden, denn sie vermindern die Akzeptanz und damit die zu erwartenden Passagierzahlen.

 

Höhenangst, ein ignoriertes Problem

Auf das Thema Höhenangst, unter dem in der westlichen Welt ca. 20% der Bevölkerung leiden, wurde in der Machbarkeitsstudie nicht eingegangen.

 

Neben dem ganz natürlichen Höhenschwindel treten oft Beschwerden wie Übelkeit, Schweißausbrüche, Zittern und Atemnot auf. Es kann zu Brustschmerzen und einem Druckgefühl in der Brust kommen. Das Herz rast und der Stand wird unsicher. Oft müssen sich die Betroffenen festhalten, um das Gefühl eines sicheren Standes zurückzubekommen.

 

Personen mit Höhenangst werden die Seilbahn voraussichtlich meiden. 20% weniger Verkehrsteilnehmer verschlechtert die Akzeptanz der Seilbahn. In der Machbarkeitsstudie wurde dieser Anteil wohl deshalb nicht berücksichtigt.

Gleichzeitig erleidet diese große Bevölkerungsgruppe durch den Wegfall bzw. die Ausdünnung von Buslinien eine Verschlechterung ihrer verkehrlichen Situation im ÖPNV. Damit besteht die Gefahr, dass ein Teil dieser Gruppe wieder auf das Auto als tägliches Verkehrsmittel zurückkehrt, was nicht wünschenswert wäre.

 

Selbstverständlich muss sich die Höhenangst im Nutzen-Kosten-Indikator niederschlagen. Wir gehen allerdings davon aus, dass dies in der N-K-Analyse nicht berücksichtigt werden wird.

 

Angst vor Unglücken

Höhenrettung beim Seilbahnunglück am 30.7.2017
Höhenrettung beim Seilbahnunglück am 30.7.2017

Ängste sind irrational, aber sinnvoll, stellen sie doch einen unbewussten Schutz für das Individuum dar, sich nicht leichtfertig Gefahren auszusetzen.

Haben die Ängste einen konkreten Hintergrund, z. B. das Wissen um ein bestehendes Risiko, werden sie vielfach verstärkt und führen zu Handlungsblockaden. 

 

Da auch Seilbahnen Unfälle erleiden und die möglichen Stürze aus großer Höhe lebensgefährlich sind, wird es Menschen geben, die sie aus diesem Grund oder der damit verbundenen Angst meiden. Insbesondere auch die Bilder von Höhenrettungen lassen vielen einen Schauer über den Rücken laufen.

 

Man kann mit derartigen Ängsten beladene Menschen nicht zwingen, dieses Verkehrsmittel zu benutzen.

Werden jedoch alternative Verkehrsmittel aufgrund des Baues der Seilbahn eingeschränkt oder eingestellt, so erleiden diese Menschen eine konkrete Benachteiligung. Sie werden z.B. zurück aufs Auto umsteigen oder gezwungen sein, weitere oder längere Wege in Kauf zu nehmen. Das kann nicht Sinn einer Verkehrsplanung sein! Auch müsste sich dieses Verhalten in einen Kostennachteil bei der Nutzen-Kosten-Analyse niederschlagen.

 

Im Fall von Schulkindern ist denkbar, dass die Ängste nicht ernst genommen und die Kinder mehr oder weniger gezwungen werden, trotzdem dieses Verkehrsmittel zu benutzen mit der Folge traumatischer Erlebnisse. Das darf nicht passieren!

Konkret liegt in Bonn die Montessori-Schule nahe bei der geplanten Seilbahnstation Hindenburgplatz und das Friedrich-Ebert-Gymnasium unmittelbar neben der geplanten Seilbahnstation UN-Campus. Die genannten Möglichkeiten für einen Schulweg mit Einbeziehung der Seilbahn bestehen jedenfalls.

Auch wird berichtet, dass Kinder z.B. in der Pubertät plötzlich Ängste entwickeln, die vorher nicht bestanden. 

 

Aus diesen Gründen gilt: Die Seilbahn darf nicht Teil des Schulwegs sein!

 

Kriminelle Übergriffe

Insbesondere im Bereich Drogen- und Beschaffungskriminalität sowie bei Sexualstraftätern ist mit Übergriffen in Seilbahngondeln zu rechnen. Ein wirksamer Schutz dagegen ist kaum möglich.

So können zu Einzelpassagieren im letzten Moment Straftäter zusteigen. Die Opfer sind isoliert und für mehrere Minuten den Tätern hilflos ausgeliefert. Es besteht keine Möglichkeit für die Opfer, Hilfe herbeizurufen oder zu fliehen.

Bei der aus Kostengründen sparsamen Personalausstattung ist selbst im nächsten Bahnhof nicht mit Hilfe zu rechnen und die Täter können leicht entkommen, was die Wahrscheinlichkeit derartiger Übergriffe erhöht.

Besonders Fahrgäste, die sehr früh morgens oder sehr spät abends unterwegs sind, werden aus diesen Gründen die Seilbahn meiden und eher mit Bussen oder Bahnen fahren wollen.


 

Konflikte und Probleme bei Fahrradmitnahme

Der Bonner ADFC sowie der VCD unterstützen die Seilbahn, weil damit die Fahrradmitnahme möglich sei. Dies wurde in die Machbarkeitsstudie einbezogen und als Vorteil der Seilbahn dargestellt.

Daraus resultiert ein weiteres mögliches Problem, von dem z.B. in der Hungerburgbahn berichtet wurde: Konflikte, die sich durch die Fahrradmitnahme entzünden. Darüber wird im folgenden Video berichtet.

Derartige Konflikte könnten sich auch in der geplanten Bonner Seilbahn entzünden, da Fahrräder sperrig und die Gondeln eng sind und leicht Kleidung der Passagiere verschmutzt oder beschädigt werden kann oder Passagiere gar Verletzungen z.B. durch die Pedale erleiden. Konflikte erzeugen Stress für alle Fahrgäste und führen langfristig zur Vermeidung der Seilbahn.

 

Gleichzeitig blockiert ein Fahrrad einen Großteil der Gondel, so dass die in Stoßzeiten auftretenden Probleme mit Warteschlangen an der Seilbahn noch verstärkt werden. Auch Warteschlangen stellen einen erheblichen Stressfaktor dar.

Die für Bonn geplanten Gondeln, die auch zur Fahrradmitnahme geeignet sind, enthalten 2 Sitzreihen je 3 Sitze und 4 Stehplätze. Führt ein Fahrgast ein Fahrrad mit sich, kann eine Sitzreihe hochgeklappt werden und dort das Fahrrad abgestellt werden. Der Radfahrer selbst belegt einen von den 3 übriggebliebenen Sitzen, also sind noch 2 Sitze frei. Ob schließlich jemand neben dem Fahrrad noch einen Stehplatz einnehmen will oder kann sei dahingestellt.

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